Gipsstuck kleben:
Darum sind Silikon und Acryl tabu
Stellen Sie sich vor, Sie versuchen, eine antike Marmorstatue mit Kaugummi an eine Wand zu pappen – klingt nach einer mittelguten Idee, oder?
Genau so fühlt sich Gipsstuck, wenn Sie ihm mit der Silikonspritze kommen würden.
Es ist verlockend, zur Kartusche zu greifen, wenn man Stuckelemente anbringen möchte, schließlich halten Silikon und Acryl fast alles. Doch bei echtem Gipsstuck (im Gegensatz zu Styropor-Imitaten) gibt es handfest physikalische und chemische Gründe, warum das keine gute Idee ist.
Hier ist das ganze Drama in drei Akten:
1. Die toxische Beziehung | Mangelnde Tragfähigkeit (Scherfestigkeit)
- Gips ist ein mineralisches Naturtalent: ehrlich, hart und ein bisschen staubig. Silikon hingegen ist der glitschige Typ aus der Disco, der sich an nicht fest binden will.
Gipsstuck ist im Vergleich zu Kunststoffleisten schwer.
- Das Problem:
Die im Silikon enthaltenen Öle kriechen in die Poren des Gipses wie ein schlechtes Parfüm. Das Ergebnis? „Fettflecken“ im Stuck, die Sie nie wieder loswerden. Da hält später keine Farbe mehr, die blättert einfach angewidert ab.
- Silikon und Acryl sind elastische Ditchstoffe, keine Konstruktionskleber. Sie „arbeiten“ und geben unter dem Eigengewicht des Gipses nach.
Die Folge: Über die Zeit können sich die Elemente senken oder im schlimmsten Fall komplett von der Decke lösen.
2. Der Gummiband-Effekt | Unterschiedliches Saugverhalten und Haftung
- Gipsstuck hat ein gewisses Ego (und ordentlich Gewicht). Silikon und Acryl sind elastisch. Wenn Sie damit schwere Leisten an die Decke kleben, passiert folgendes: Der Gips will nach unten, der Kleber gibt nach.
- Gips ist ein extrem offenporiges, mineralisches Material.
- Silikon: Das enthaltene Silikonöl wandert in die Poren des Gipses („Verfleckung“).
Dies führt dazu, dass an diesen Stellen nie wieder Farbe oder Putz hält. Zudem haftet Silikon auf staubigen, mineralischen Untergründen oft nur oberflächlich.
- Acryl: Es schrumpft beim Trocknen stark ein. Da Gips starr ist, können durch die Trocknungsschrumpfung des Acryls Spannungsrisse an der Fuge entstehen.
Die Folge: Nach ein paar Monaten haben Sie keine schicke Deckenverzierung mehr, sondern eine Art elastisches Mobile, das bei jedem Luftzug leicht schwingt, bis es Ihnen beim Sonntagsbraten final in die Suppe klatscht.
3. Das Gehrungs-Massaker | Die chemische Unverträglichkeit
Echter Stuck muss an den Ecken perfekt verschliffen werden,
damit er aussieht wie aus einem Guss.
- Versuchen Sie das mal mit Acryl:
Wenn Sie versuchen, getrocknetes Acryl zu schleifen, passiert genau gar nichts – außer, dass es kleine, graue Gummifussel bildet. Es ist, als würden Sie versuchen, einen Radiergummi mit Schmirgelpapier in Form zu bringen. Ein optischer Albtraum für jeden Ästheten!
- Echter Gipsstuck wird idealerweise mit Ansetzbinder oder speziellem Stuckgips montiert.
Da sowohl der Stuck als auch der Kleber aus Gipsbasis sind, „verkrallen“ sie sich chemisch und mechanisch zu einer Einheit. Silikon bildet lediglich eine trennende Schicht zwischen Stuck und Wand.
Das Fazit:
Gips braucht Gips.
Die beiden müssen miteinander verschmelzen, als wären sie füreinander geschaffen (was sie chemisch gesehen auch sind). - Nicht überstreichbar: Silikon lässt sich nicht überstreichen. Wenn etwas davon auf die Sichtfläche des Stucks gelangt, bleibt dort keine Farbe haften, sie perlt einfach ab.
- Schleifbarkeit: Gips-Kleber lässt sich nach dem Aushärten perfekt bündig schleifen. Acryl bleibt gummiartig und lässt sich nicht glatt schleifen, was saubere Gehrungen (Eckverbindungen) fast unmöglich macht.
Wer Silikon für Stuck nutzt, nutzt wahrscheinlich auch Ketchup als Sonnencreme.
Kann man machen, wird aber eine Riesensauerei und das Ergebnis überzeugt leider niemanden.
Tipp: Zusätzlich sollte man, zur mechanischen Sicherung, phosphatierte Schrauben verwenden.
Sie bieten einen temporären Schutz vor Rost, die eine Oxidation (Rostflecken) in Verbindung mit Gips verhindern.